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Sechs von zehn Quellen gehören anderen Anbietern: Wo die KI wirklich nachschaut

ChatGPT empfiehlt deine Mitbewerber und nennt Quellen dazu. Wir haben ausgewertet, welche Websites das sind: meist die Seiten anderer Anbieter, selten die Presse. Was daraus für deine eigene Website folgt.

Burak Dönmezer

Burak Dönmezer

Gründer Quott AI · 16. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Sechs von zehn Quellen gehören anderen Anbietern: Wo die KI wirklich nachschaut

Frag ChatGPT nach einem guten Anbieter in deiner Branche. Meist bekommst du drei oder vier Namen. Darunter steht eine Liste mit Quellen. Fehlt dein Name, liegt die Frage nahe: Woher hat die KI ihre Empfehlung? Und wo müsstest du stehen, damit sie auch dich nennt?

Die übliche Antwort lautet: mehr Pressearbeit, mehr Erwähnungen in Medien. Wir haben nachgesehen, ob unsere Messdaten das hergeben. Kurz gesagt: nur zum kleinen Teil.

Was wir ausgewertet haben

ChatGPT und Gemini geben zu ihren Antworten meist an, auf welche Websites sie sich stützen. Bei den Empfehlungsfragen, die Quott AI täglich stellt, hatten vom 21.09. bis 15.10.2026 rund 99 % der ChatGPT-Antworten eine solche Quellenliste. Bei Gemini waren es 92 %.

Uns interessierten die Antworten, in denen die KI mindestens einen Wettbewerber empfiehlt, die eigene Marke aber nicht nennt. Genau dort entscheidet sich, wer empfohlen wird. Jede dort zitierte Website haben wir einer von drei Arten zugeordnet:

  • Anbieter: eine Firma, die dasselbe oder etwas sehr Ähnliches anbietet. Also ein Wettbewerber.
  • Plattform: eine Website, auf der man erwähnt, gelistet, bewertet oder verkauft werden kann. Dazu zählen Vergleichsseiten, Bewertungsportale, Fachmedien, Verzeichnisse oder Händler mit vielen Marken.
  • Sonstiges: etwa Behörden, Krankenkassen, Suchmaschinen, Kartendienste oder Hilfeseiten großer Konzerne.

Die Zuordnung hat eine KI vorgenommen, getrennt für jedes Konto. Denn dieselbe Website kann für den einen ein Wettbewerber sein und für den anderen ein möglicher Händler. Wir haben die Listen anschließend gelesen. Ganz fehlerfrei ist die Einordnung nicht. Die Richtung ist aber eindeutig.

Das Ergebnis

Rund sechs von zehn zitierten Websites gehören anderen Anbietern. Zählt man jede Website einmal, sind es 63 % (Stand 15.10.2026). Zählt man, wie oft sie zitiert wurden, sind es 59 %.

Knapp drei von zehn sind Plattformen: 28 % der Websites, 29 % der Zitate. Der Rest entfällt auf Sonstiges.

Zeitungen und Magazine im klassischen Sinn machen nur rund 4 % der eingeordneten Zitate aus.

Das bedeutet: Wenn die KI deine Mitbewerber empfiehlt, beruft sie sich meistens auf deren eigene Websites. Sie liest, was diese Firmen über sich selbst schreiben. Und sie gibt es weiter.

Was das für die übliche Antwort „mehr PR“ heißt

Auf die Website eines Wettbewerbers kommst du nicht. Dort wird nie ein anderer Anbieter empfohlen. Klassische Pressearbeit erreicht nur einen kleinen Teil der Quellen. Plattformen sind ein echter Weg, doch sie machen nicht die Mehrheit aus.

Der wichtigste Ansatzpunkt liegt woanders: bei deiner eigenen Website.

Deine Website ist die Quelle, auf die es ankommt

Wir haben auch die Gegenrichtung angesehen. Wenn ChatGPT oder Gemini eine der Firmen nennen, die wir für Kunden messen, steht deren eigene Website in fast neun von zehn dieser Antworten unter den Quellen (89 %, Zeitraum 21.09. bis 15.10.2026). Wird die Firma nicht genannt, ist ihre Website in weniger als 1 % der Antworten dabei.

Das beweist nicht, dass die eigene Website den Ausschlag gibt. Es kann auch umgekehrt sein: Wer genannt wird, wird eben auch verlinkt. Es zeigt aber, worauf sich die KI stützt, wenn sie eine kleinere Firma empfiehlt. Sie nimmt, was diese Firma selbst schreibt.

Zwei Ausnahmen sind uns aufgefallen. Eine sehr bekannte Marke aus unseren Testkonten nennen die Modelle oft auch ohne Link auf ihre Seite (nur 39 % mit eigener Website als Quelle). Die Modelle kennen sie schlicht. Bei einem lokalen Dienstleister stand der Kartendienst von Google genauso oft unter den Quellen wie die eigene Website, jeweils in knapp der Hälfte der Antworten.

Was du konkret tun kannst

  • Eine Seite je Leistung. Lege für jede wichtige Leistung eine eigene Seite an. Sie sagt, was du anbietest, für wen und wo. Eine Sammelseite mit zehn Stichpunkten beantwortet keine Frage richtig gut.
  • Der erste Absatz zählt. Schreib ganz oben, was ein Kunde wissen will: wer du bist, was du machst, wo du arbeitest und was dich unterscheidet. Ohne Werbefloskeln.
  • Fakten statt Superlative. Nenne Preise ab, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten, Zertifikate, Gründungsjahr und Ansprechpartner. Einen Satz wie „seit 1998 in Bielefeld, zwölf Mitarbeitende“ kann eine KI weitergeben. Mit „der beste Service der Region“ kann sie wenig anfangen.
  • Echte Kundenfragen beantworten. Sammle die Fragen, die dir am Telefon gestellt werden. Beantworte sie auf deiner Website in ganzen Sätzen.
  • Aktuell bleiben. Was veraltet auf deiner Seite steht, kann genauso in einer Antwort landen. Prüfe Preise, Adressen und Leistungen zweimal im Jahr.
  • Die Suchprogramme nicht aussperren. OpenAI schreibt: Websites, die das Suchprogramm OAI-SearchBot ausschließen, erscheinen nicht in den Suchantworten von ChatGPT. Lass deine Webagentur prüfen, ob deine Website das versehentlich tut.
  • Selbst nachsehen. Stell ChatGPT und Gemini die Fragen, die deine Kunden stellen würden. Öffne die Quellen. Welche Seiten deiner Mitbewerber tauchen auf? Was steht dort im ersten Absatz, das bei dir fehlt?

In Quott AI zeigt dir die Seite „Quellen“, welche Websites die KI-Modelle bei deinen Fragen zitieren. So siehst du, welche Seiten deiner Mitbewerber die KI gerade heranzieht.

Kurz gefragt

Ist Pressearbeit damit sinnlos?
Nein. Ein Artikel in einem Fachmedium kann dir Kunden bringen und auch als Quelle auftauchen. In unserer Auswertung war das aber selten. Wer wenig Zeit hat, fängt besser bei der eigenen Website an.

Kann ich beeinflussen, was die KI auf den Seiten meiner Mitbewerber liest?
Nein. Du kannst nur dafür sorgen, dass deine eigene Seite mindestens genauso klar ist.

Gilt das für alle KI-Assistenten?
Ausgewertet haben wir ChatGPT und Gemini, weil beide zu fast jeder Antwort Quellen angeben. Für andere Assistenten haben wir keine vergleichbaren Zahlen.

Wie schnell zeigt eine bessere Website Wirkung?
Das kann niemand seriös versprechen. KI-Antworten schwanken schon von einem Tag zum nächsten: Eine Auswertung aus dem deutschsprachigen Raum fand bei derselben Frage, zweimal gestellt, im Schnitt nur 69 % gleiche Marken bei ChatGPT und 41 % bei Gemini. Sinnvoll ist deshalb, dieselben Fragen über Wochen zu beobachten statt an einem einzelnen Tag.

Quellen

  1. Eigene Auswertung Quott AI: Quellenlisten der Antworten von ChatGPT und Gemini auf Empfehlungsfragen, Zeitraum 21.09. bis 15.10.2026. Einordnung der zitierten Websites in Anbieter, Plattform und Sonstiges vom 15.10.2026, einschließlich eigener Testkonten. Zuordnung zu Zeitungen und Magazinen von Hand. Anteil der eigenen Website unter den Quellen: nur Kundenkonten, die bekannte Marke stammt aus einem Testkonto.
  2. OpenAI: Overview of OpenAI crawlers (abgerufen am 16.10.2026)
  3. OpenAI Hilfe: Searching the web with ChatGPT (abgerufen am 16.10.2026)
  4. Google Gemini-Apps-Hilfe: Zugehörige Quellen ansehen und Antworten prüfen (abgerufen am 16.10.2026)
  5. Martin Kuławik: API vs. Scraping bei der Messung von KI-Sichtbarkeit (Daten vom 01.06. bis 18.07.2026, abgerufen am 16.10.2026)

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